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Worms wird 5. beim Rheinlandpfalz 4er-Mannschaftsblitz

10.03.2019   Ein etwas anderer Bericht von Daniel Helbig

Um 9:40 Uhr rufe ich Mike an. Ich stehe vor seiner Wohnung in Worms, um ihn und Roland zum Rheinlandpfalz 4er-Mannschaftsblitz in Gau-Algesheim abzuholen. Unser Blitzspezialist Dennis kommt selbst nach. Das Auto ist ausnahmsweise betankt. Mike geht ans Telefon und hustet verschlafen in den Hörer. Er dirigiert mich durch seine Straße und Minuten später tauchen er und Roland kauend auf. Letzterer strahlt und kündigt sogleich ambitioniert an: „Ich bin heiß! Gestern habe ich gegen Martin geblitzt und dabei sogar einige Partien gewonnen!" Weil das eine schöne Leistung ist, bin ich beruhigt und fahre los.

Eine gute Stunde später setze ich die Uhr meines ersten Gegners in Gange. Ich spiele heute an Brett 3, Mike an 4, Roland an 2, Dennis übernimmt Brett 1. Rating-technisch sind wir an Position 4 gesetzt, aber wir sind eigentlich ohne wirkliche Ambitionen angereist. Ziel ist ein versöhnliches Ergebnis irgendwo im oberen Mittelfeld und ich persönlich freue mich auf viele spannende Runden gegen starke Gegner. Wer sich ein Bild davon verschaffen möchte, wie stark dieses Turnier besetzt ist, führe sich folgendes vor Augen: Dennis Yakovenko, eigentlich ausgemachter Blitzspezialist und regelmäßig in den Spitzenplätzen der pfälzischen Blitzturniere anzutreffen, wird es am Ende auf 2,5! Punkte aus 22 Runden schaffen. Nach jeder Runde stimmen wir uns neu ein, dass wir schneller ziehen müssten, weil es nur um die Zeit geht. Dennoch läuft die Hinrunde alles andere als glatt. Wir eiern irgendwo bei Platz 8 herum und es fühlt sich nicht so an, als sei da noch viel Raum nach oben. Dabei spielen wir nicht einmal unerfolgreich, sondern vor allem asymmetrisch: Jeder punktet für sich recht ordentlich, aber wir punkten selten gleichzeitig in einer Begegnung. So geben wir viele knappe Niederlagen ab. In der Mittagspause wechseln wir dann die Strategie: Statt Biss setzen wir jetzt auf Würstchen, Bierchen und Nonchalance. Die Helfer des Gastgebers schließen uns für unsere lockere Art sofort ins Herz, auch wenn sie uns zwischenzeitlich für den SK Landau halten. Ich kündige noch schnell an: „ab jetzt rasiere ich" – und gebe dann direkt ein Remis ab. Irgendwie fallen wir mit unserer neuen Strategie ein wenig im Turniersaal auf, wo ansonsten mit letztem Biss um jeden Punkt gekämpft wird.

Eine recht hohe Zahl an Reklamationsfällen bestärkt meinen Eindruck, dass hier mancher wirklich Großes vorhat. Gregor Johann hat die Situation allerdings wirklich sehr gut im Griff. Die Rückrunde gehört jedenfalls uns, auch wenn Roland noch immer klagt, dass er viel zu langsam sei. Wir gewinnen einen Kampf nach dem nächsten und schieben uns Stück für Stück nach vorne. In der vorletzten Runde gelingt uns dann sogar ein 2,5:1,5 Sieg gegen die bis dato führenden Heidesheimer. Damit ebnen wir bemerkenswerterweise Landau den Weg zum Titelgewinn. Am Ende landen wir auf dem 5. Platz, Dennis wird sehr stark 4. in seiner Brettwertung am ersten Brett. Es bleibt ein wenig der Eindruck hängen, dass heute mehr drin gewesen wäre, hätten wir direkt wie in der Rückrunde aufgespielt. Roland und ich scherzen, dass wir das Turnier auf 48 Runden ausweiten sollten. Mein Gegner hört zu, winkt ab und stöhnt. Am Ende ziehe ich ihn etwas frech über die Zeit. Was bleibt übrig? Ein schöner, lustiger Tag, an dem viel gelacht und auch ernsthaftes Schach gespielt wurde. Vor allem aber die Einsicht, dass es beim Blitzen nur auf die Zeit ankommt.

 

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