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Wormser Schachverein trumpft bei den Haßlocher Schachtagen auf.

17.06.2019 Bericht von Daniel Helbig

Bekanntermaßen hatte der zwischenzeitlich verstorbene „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranicki eine tiefe Abneigung gegenüber Wortspielen. Und trotzdem gibt es wohl kein Schachturnier in unserer Region, das die Fantasie der Spieler in dieser Richtung so sehr befeuert wie die jährlich an Pfingsten stattfindenden „Haßlocher Schachtage“. Ich will ein paar Beispiele geben, die ich über die Jahre aufgeschnappt habe: „Hatehole“, „Liebesloch“ „Loch Hass“ – die Liste ließe sich von Verein zu Verein, von Spielabendtradition zu Spielabendtradition, von Spielabendvokabular zu Spielabendvokabular fortsetzen.

Der Wormser Schachverein vpn 1878 e.V. ging nun also bei diesem alt-ehrwürdigem Turnier (das neben seinem evokativen Namen besonders für sein üppiges Grillangebot bekannt ist) mit sage und schreibe 14 (!) Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Start – 12 davon im B-Turnier (Spieler bis 1800 DWZ) 2 im A-Turnier (Spieler ab 1800 DWZ).

Im B-Turnier startete Dr. Gernot Köhler (3. des Vorjahres) als einer der ausgemachten Favoriten ins Turnier. Mit gewohnt trickreichem und gewitztem Spiel erkämpfte sich Gernot am Ende 5 Punkte aus 7 Runden. Weil es im Haßlocher B-Turnier grundsätzlich immer gleich mindestens 20 andere Spieler mit der gleichen Endpunktzahl gibt, bedeuteten Gernots 30 Buchholzpunkte schließlich Platz 15. Ein gutes Turnier spielten auch Christi Matei (Platz 72) und Peter Rehn (Platz 53) – beide mit jeweils 4 Punkten, was übrigens in gewisser Hinsicht mein eben Gesagtes bestätigt.

Im A-Turnier ruhten die Hoffnungen der Wormser auf der Nibelungen-Ikone Roland Ollenberger und Neuzugang Pascal Karsay. Roland musste schon recht früh im Turnier Fortuna bemühen, als er in der zweiten Runde mit Turm weniger (!) doch noch gewann. In der dritten Runde musste er dann aber leider seine Turnierambitionen begraben, als er gegen den bärenstarken Großmeister Vyacheslav Ikonnikov bereits nachteilig aus der Eröffnung kam und dann schließlich konsequenterweise verlor. Pascal spielte ein großartiges Turnier. Nach 3 Siegen in den ersten 3 Runden konnte er in Runde 4 und 5 jeweils ein Remis gegen Großmeister Ikonnikov und Großmeister Kazakov erzielen. Vor allem die Partie gegen Kazakov entwickelte sich zu einem echten Krimi, bei dem lange nicht ersichtlich war, wie die Begegnung ausgehen würde. Pascal fand in kompliziertem Endspiel eine fast studienartige Verteidigung, die auch sein erfahrener Gegner erst wirklich durchschaute, als es schon zu spät war. Hut ab vor dieser Leistung von Pascal! Nachdem er in Runde 6 abermals zu einem vollen Punkt gekommen war, spielte Pascal in der 7. Runde tatsächlich gegen Großmeister Leonid Milov um den Turniersieg. Leider musste der Wormser hier allerdings schließlich die Segel streichen, nachdem Milov einen schönen Königsangriff in der Spanischen Verteidigung vorgetragen hatte. Mit 5 Punkten landete Pascal am Ende trotzdem auf einem hervorragendem 7. Platz im A-Turnier.

Alles in allem kann der Wormser Schachverein sicherlich sehr zufrieden mit seinem Abschneiden in „Loch Hass“ sein. Man bewies in der Breite die hohe Aktivität des Vereines und konnte in der Spitze starke sportliche Leistungen setzen.